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6.1.1 Kinderbetreuung als Thema in Beratungsgesprächen

Der Beratungsauftrag der Agenturen für Arbeit ergibt sich aus § 34 SBG III. Ob und wie das Thema Kinderbetreuung bei den Beratungsgesprächen angesprochen wird, ist im SGB II und SGB III unterschiedlich verbindlich geregelt. Dennoch ist das Thema für Jobcenter wie Arbeitsagenturen gleichermaßen relevant. Wenn unzureichende Kinderbetreuung die Vermittlung in Arbeit behindert oder andere in § 34 SGB III genannte Themen berührt, wird der individuelle Bedarf an Kinderbetreuung von den Fachkräften angesprochen, manchmal auch von den Kunden bzw. Kundinnen selbst. Aber auch in vielen Eingliederungsvereinbarungen nach § 15 SGB II ist die Organisation der Kinderbetreuung Teil des Vertrags. Um eine optimale Vermittlungsquote zu erreichen, ist es wichtig, die Arbeit Suchenden immer auf die unterschiedlichen Angebote der Kinderbetreuung, auch die Kindertagespflege als flexible Form, aufmerksam zu machen.

Kinderbetreuungsbedarf - Ursachen für ein Vermittlungshemmnis

Wenn Kinderbetreuungsangebote unzureichend sind oder ganz fehlen, stellt das ein erhebliches Vermittlungshemmnis dar. Viele Arbeit suchende Eltern orientieren sich noch immer an den Standard-Öffnungszeiten von Kindertageseinrichtung und Schule. So entsteht ein schwerwiegendes Vermittlungshemmnis. Flexiblere Formen der Kinderbetreuung (vgl. Kapitel 6.1.2) sind wenig bekannt bzw. werden gelegentlich mit Skepsis betrachtet.

Als Konsequenz äußern Arbeit suchende Mütter dann häufig den Wunsch nach Teilzeitbeschäftigung. Doch selbst die klassische Halbtagsstelle ist immer seltener mit verbindlich geregelten Arbeitszeiten von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr verbunden. Die "Standard-Arbeitswoche" ist insbesondere in dem für Frauen interessanten Dienstleistungssektor zur seltenen Ausnahme geworden. Dagegen nehmen Arbeitsangebote am Spätnachmittag, am Abend, nachts, am Wochenende - auch als Teilzeitbeschäftigung - weiter zu.

Das Kinderbetreuungssystem stellt sich zwar nach und nach auf die Entwicklung, dass Arbeitszeiten zunehmend auf Abende und Wochenenden verlagert werden, ein, die meisten Tageseinrichtungen für Kinder sind dennoch nur werktags von morgens bis nachmittags geöffnet. Für Schulkinder ist eine Betreuung bis in den späten Nachmittag immer noch nicht überall die Regel.

Kindertagespflege als Lösungsmöglichkeit

In vielen Fällen kann Kindertagespflege (insbesondere für Kinder unter drei Jahren) die geeignete Lösung sein. Sie bietet gerade berufstätigen Eltern eine Reihe von Vorteilen (Kapitel 5.1.3 Nutzen der Eltern). Einige Beispiele sollen zeigen, in welchen Fällen und bei welchen Berufsgruppen Kindertagespflege besonders geeignet ist, weil sich Familie und Beruf mit Standard-Öffnungszeiten von Kitas und Schulen nicht vereinbaren lassen.

Beispiele:

  • Polizistin, allein erziehend- im Schichtdienst (Teilzeit), Kind zwei Jahre;
  • Krankenschwester im Schichtdienst, Kind vier Jahre, Betreuungsbedarf ergänzend zum Kindergarten;
  • Stellvertretende Geschäftsführerin in einem Restaurant im Schichtdienst, Kind drei Jahre, flexible Betreuung ergänzend zur Tagesstätte;
  • Selbstständige Mutter, zwei Kinder, schulpflichtig und Kindergarten, werden von der Tagesmutter abgeholt und 2-3 Nachmittage betreut;
  • Mutter in Weiterbildung, drei Kinder werden von zwei Tagesmüttern abwechselnd zu Hause betreut;
  • Journalistin, Kind drei Monate, wird von der Tagesmutter flexibel 20 Stunden betreut;
  • Auszubildende als Tierarzthelferin, Kind ein Jahr, 50 Std./Woche Betreuung.

Gegen flexible Kinderbetreuungsangebote, ob es sich um Kindertagespflege oder kombinierte Kinderbetreuungslösungen handelt, äußern Eltern manchmal Vorbehalte: Sie

  • seien zu teuer,
  • schaden dem Kind,
  • seien nicht verlässlich genug und darum organisatorisch kaum zu bewältigen.

Dagegen lässt sich in einem Beratungsgespräch einwenden:

  1. Die Kosten der Kindertagespflege sind in der Regel dieselben wie für eine Kindertageseinrichtung (Kapitel 1.4 Finanzierung der Kindertagespflege).
  2. Erfahrungen zeigen, dass mehr Flexibilität bei den Kinderbetreuungszeiten nicht zu Lasten der pädagogischen Qualität gehen muss und diese Betreuungsangebote darum von den Familien nicht nur akzeptiert, sondern als Unterstützung bewertet werden.
  3. Um die Verlässlichkeit zu erhöhen, hat die Kommune Vertretungslösungen vorzuhalten. Zusätzlicher organisatorischer Aufwand (zum Beispiel das Bringen und Abholen) kann eventuell auch von den Tagesmüttern oder -vätern übernommen werden.