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Startseite - 4. Tipps und Handreichungen für Kommunen

 
 

4.4.3 Maintal

1. Name/Bezeichnung des Modells

Tagespflegeprojekt der Stadt Maintal

2. Ort/Bundesland

Maintal/Hessen

3. Träger

  • Magistrat der Stadt Maintal
  • Fachbereich Kinder, Familie und Jugend

4. Kurzbeschreibung

Das Tagespflegeprojekt der Stadt Maintal existiert seit 1991 und geht auf die Initiative der Kommune zurück. Die vom Magistrat verabschiedeten Richtlinien zielen auf den Ausbau, die Sicherung und Qualifizierung von Tagespflegeplätzen für Kinder bis ins Schulalter. Das Tagespflegeprojekt sowie der angegliederte "Kinderbetreuungsservice Tagespflege" sind dem städtischen Fachdienst Kinder- und Familienförderung zugeordnet.

Das Tagespflegeprojekt berät und qualifiziert Tagespflegepersonen für die Kinderbetreuung. Bis zu 27 Personen werden in zwei Gruppen von zwei pädagogischen Fachkräften ausgebildet, begleitet und beraten. Die Tagesmütter erhalten von der Stadt Maintal Zuschüsse für ihre Altersvorsorge (bis max. 125,- € im Monat) und eine Haftpflichtversicherung (jährlich max. 38,- €). Die zuständige Fachberaterin der Stadt informiert und berät Eltern und hilft ihnen bei der Suche nach einer geeigneten Tagesmutter.

Im Rahmen des "Kinderbetreuungsservice Tagespflege" bezuschusst die Stadt Maintal außerdem seit 1999 bis zu zehn Tagespflegeplätze für Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Damit profitieren auch alleinerziehende Eltern und Familien mit geringem Einkommen von kostenermäßigter Kinderbetreuung in Kindertagespflege analog zur Kita.

Alle steuernden und koordinierenden Aufgaben im "Tagespflegeprojekt" sowie im "Kinderbetreuungsservice" in Maintal werden von zwei pädagogischen Fachkräften der Stadt mit insgesamt 25 Wochenstunden sowie einer Verwaltungskraft mit 10 Wochenstunden wahrgenommen. Die Vermittlung einer Tagespflegekraft an interessierte Eltern findet im Allgemeinen durch ein ausführliches Beratungsgespräch sowie die gezielte Weitergabe von bis zu drei Adressen von Tagesmüttern in der Nähe der Interessenten statt. Die abschließende Auswahl der "Wunschtagesmutter" bleibt den Familien selbst überlassen. Auch werden die Betreuungszeiten individuell zwischen Eltern und Tagespflegepersonen vereinbart.

Die Qualifizierung sowie die Begleitung der örtlichen und regionalen Vernetzung der aktiven Tagesmütter in Maintal gehört - im Anschluss an eine Basisqualifizierung im Main-Kinzig-Kreis - ebenfalls zu den Aufgaben der beiden Fachberaterinnen. Sie leiten die Gruppentreffen und -kontakte während der Ausbildung der Tagesmütter. Die Fachberaterinnen übernehmen außerdem den Kinderbetreuungsservice - also die Beratung, die Prüfung und der Abschluss von Verträgen zur Bezuschussung von Familien mit geringem Einkommen.

5. Modellhaftigkeit

Modellhaft im Tagespflegeprojekt Maintal ist zunächst das umfassende Beratungs-, Vernetzungs- und Qualifizierungskonzept für Tagespflegepersonen, das über die ausschließliche Betreuungskompetenz hinausgehend auch andere Kompetenzen vermittelt wie etwa Verhandlungs- und Kommunikationssicherheit. Der Ansatz zielt auf eine hohe Fachlichkeit sowie auf ein möglichst weitreichendes Kompetenzprofil der Tagespflegepersonen ab. Methodische Grundlage der Qualifizierung bildet der Ansatz der themenzentrierten Interaktion.

Die Qualifizierung beginnt mit einer Grundausbildung über 45 Stunden im Verbund mit anderen Tagespflegeprojekten im Landkreis. Das Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises organisiert den Grundkurs. Neben Basiswissen erhalten die Teilnehmer/innen hier die Möglichkeit, Kontakt zu Tagesmüttern aus anderen Kommunen zu knüpfen und sich auszutauschen. Die erfolgreiche Teilnahme an dieser Ausbildungseinheit ist Voraussetzung für die Weiterqualifizierung und Begleitung der Tagespflegepersonen im Maintaler Tagespflegeprojekt. An zwei Terminen pro Jahr kann ein Einstieg in die Gruppenprozesse erfolgen. Für die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen (Gruppenabende, Fortbildungswochenenden) erhalten die Teilnehmerinnen je 5,- € Aufwandsentschädigung. Im Maintaler Qualifizierungsansatz stehen Eigenständigkeit und die Förderung einer ausgeprägten beruflichen Identität der Tagespflegepersonen ebenso im Mittelpunkt wie die Vermittlung von pädagogischem Fachwissen. Die Teilnehmer/innen sollen ein Gespür für mögliche Krisenkonstellationen entwickeln, dank ihrer Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen und des ständigen Austausches mit der Fachberaterin möglichst frühzeitig Rat einholen und auf diese Weise Krisen vermeiden.

Die Qualifizierung im Rahmen der Gruppenprozesse nach dem Ansatz der themenzentrierten Interaktion ist untergliedert in zwei Teile: eine praxisbegleitende Phase für Einsteiger/innen und dann eine Aufbauqualifizierung für Tagespflegepersonen, die bereits länger in Maintal arbeiten. Die Tagesmütter können während der Qualifizierungsphase Einzel- oder Gruppensupervisionen in Anspruch nehmen. Nach drei Jahren Tagespflegetätigkeit und praxisbegleitender Gruppe (rund 180 Stunden Gruppenarbeit inklusive Fortbildungstage) erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat.

Seit 1999 bezuschusst die Stadt Maintal über den "Kinderbetreuungsservice Tagespflege" bis zu zehn Tagespflegeplätze für Kinder im Alter von null bis drei Jahren. Ziel ist die Vermeidung von Sozialhilfe und Arbeitslosigkeit bei Alleinerziehenden und Eltern mit geringem Einkommen. Eine Fachberaterin steht für potenzielle Zuschussempfänger als Ansprechperson zur Verfügung. Im Beratungsgespräch wird die Bedarfslage der Familie geklärt. Im Anschluss daran schließen Eltern und die Stadt Maintal einen Vertrag, der die genaue Zuschusshöhe regelt. Die leistungsberechtigten Eltern bezahlen in der Folge an die Stadt für die Betreuung in Kindertagespflege einen einkommensabhängigen Beitrag, der sich an der Gebührenordnung für Kitas orientiert und durch den vereinbarten Zuschuss ergänzt wird. Die Tagespflegeperson erhält für die Betreuung einen Betrag von € 3,- /Stunde. Zur Sicherstellung von Kontinuität und Qualität in der Tagesbetreuung werden Tagespflegepersonen zusätzliche finanzielle Anreize gewährt. Sind nicht alle Kapazitäten ausgelastet, wird pro Kind ein "Platzgeld" von 25,- Euro im Monat an eine Tagesmutter gezahlt, damit sie für den Bedarfsfall einen Betreuungsplatz frei hält. Mit dieser Maßnahme kann man das Angebot des Kinderbetreuungsservice flexibel und der Situation vor Ort angemessen gestalten. Bei krankheitsbedingten oder unvorhersehbaren Ausfallzeiten der Tagesmutter wird eine Vertretung gewährleistet, in der Regel durch eine Vertretungstagesmutter aus dem Tagespflegeprojekt.

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04.02.2012