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4.4.4 Münster

Dieses Netzwerk ist für die Regelbetreuungssituationen fruchtbar, kann aber auch bei dem Ausfall einer Tagesmutter genutzt werden, wenn eine Vertretung innerhalb eines den Kindern bekannten Personenkreises organisiert werden soll. Für Vertretungsfälle ist es im letzten Schritt auch möglich, den Betreuungsnotdienst "Dino" in Anspruch zu nehmen - eine Einrichtung vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V., der durch die Stadt Münster gefördert wird.

Qualitätssichernde Maßnahmen in der Kindertagespflege Münster sind die ausführlichen Elterngespräche mit Kindern in der Erstberatung, die Eingewöhnungsphase von einem Monat, die Qualifizierung und Überprüfung der Tagesmütter und Begleitung besonders in der Eingewöhnungszeit, die Hausbesuche sowie die Einbindung von erfahrenen Tagesmüttern in Qualifizierungs- und Vernetzungsmaßnahmen.

5. Modellhaftigkeit

Kooperationsmodell mit freiem Träger
Der Verein Münsteraner Tageseltern e. V. ist aus der ersten Tagesmuttergruppe hervorgegangen und besteht bereits rund 15 Jahre als fester Kooperationspartner der städtischen Fachstelle. Der Aufgabenbereich umfasst die gleichen Leistungen (Beratung, Vermittlung, etc.). Die Aufgabenteilung erfolgt durch lokale Zuständigkeitsbereiche, also stadtteilbezogen. Dadurch ist gewährleistet, dass die Eltern und Tagesmütter vor Ort nur eine zentrale Ansprechpartnerin in ihrer Nähe haben. Die Beraterinnen sind dann auch für die neuen Tagesmütter wichtige Kontaktpersonen in den jeweiligen Stadtteil hinein. Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Münster und dem Verein ist eine Leistungsvereinbarung. Hier wird u. a. geregelt, in welchen Bezirken der Verein tätig wird, oder wie die Stadtverwaltung in Form von Sach- und Personalmitteln Unterstützung leistet. Die praktizierte Zusammenarbeit zwischen den zwei Fachberaterinnen aus dem Verein und den Fachberaterinnen im Amt für Kinder, Jugend und Familie ist durch ein enges und über Jahre gewachsenes Verhältnis geprägt.

Aktive Gestaltung lokaler Vernetzungsstrukturen zu Betreuungsfragen
Die Beratungsstelle für Kindertagespflege der Stadt Münster betreibt mit einer Reihe sozialer Institutionen regelmäßigen Fachaustausch, z. B. in stadtteilrelevanten Arbeitskreisen. Hier werden Probleme diskutiert, Bedarfe festgestellt und Handlungsalternativen oder Maßnahmen entwickelt. Darüber hinaus werden konkrete Projekte rund um das Thema Betreuung gemeinsam erarbeitet und umgesetzt. Diese aktive Netzwerkarbeit geht über die Regelanforderungen der Kindertagespflege hinaus und hat teilweise einen präventiven Charakter.

So besteht ein enger Kontakt mit dem städtischen Familienbüro, einer zentralen Anlaufstelle für familienrelevante Themen in Münster. Hier wird u. a. die "Platzbörse" verwaltet, um freie Plätze zur Kinderbetreuung in Einrichtungen wunschgerecht zu vergeben. Gemeinsam mit dem "DINO"-Betreuungsnotfalldienst erfüllen das Familienbüro und die Platzbörse eine wichtige Funktion zwischen Regelbetreuung und Kindertagespflege. Fallbezogen wird entschieden, für welche Eltern welches Angebot das richtige sein könnte.

Als einen besonderen Service bietet die Arbeitsgemeinschaft Münster (Jobcenter) im Familienbüro eine Beratung für Arbeitsuchende zu Kinderbetreuungsfragen. Zum Aufgabenspektrum gehört neben der Einzelfallberatung, die Zusammenarbeit mit der Arbeitsvermittlung bzgl. Betreuungsmöglichkeiten von Kindern, die Kooperation mit Diensten und Fachstellen der Verwaltung und freien Trägern, bei Bedarf die Kontaktaufnahme zu und Beratung von Arbeitgebern sowie die Information über besondere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter 3 Jahren im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme von Arbeit der ALG-II-Beziehenden (siehe Kapitel Jobcenter und Arbeitsagenturen).

Die Vernetzung der Beratungsstelle für Kindertagespflege mit den Kitas vor Ort geschieht in erster Linie über die Trägervertretung sowie durch die Sicherstellung von Anschlussbetreuung durch Tagespflegepersonen.

Die Qualifizierung der Tagesmütter erfolgt in Kooperation mit den Familienbildungsstätten: Vorbereitungskurs, Grundkurs und Erste-Hilfe-Kurs werden hier angeboten. Die Fachtagung findet in den Räumlichkeiten der "Fabis" statt. Referenten der Familienbildungsstätte leiten die Fortbildung in Tagesmüttertreffen. Weitere interessante Schwerpunktthemen der Weiterbildungseinrichtungen (z. B. aus dem Bereich der Haushaltführung o.ä.), können von den Tagesmüttern bei Bedarf wahrgenommen werden. Bei den Fortbildungen findet eine Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Münster statt, die Tagesmütterqualifizierung ist hierbei angelehnt an das Curriculum des DJI.

Einen fachbezogenen Austausch gibt es außerdem mit einer Reihe von freien Trägern z. B. mit "Eltern helfen Eltern", dem Dachverband der Elterninitiativen oder dem Arbeitskreis Alleinerziehende. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur werden im "Bündnis Frauen und Arbeit" Frauen über den Wiedereinstieg ins Berufsleben beraten und hierbei über Möglichkeiten und Grenzen vorhandener Kinderbetreuungsangebote informiert. Eine Fachberaterin der städtischen Beratungsstelle für Kindertagespflege bringt das Tagespflegeangebot und ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Betreuungskonstellationen ein. Dieses präventive Vorgehen kann den Frauen die Suche nach einem passenden Betreuungsangebot und damit ihren Wiedereinstieg in das Erwerbsleben erleichtern. Es kann aber auch übersteigerte Erwartungen an eine Fremdbetreuung von Kleinkindern verhindern, die im schlechtesten Fall zu einem Scheitern eines Betreuungsverhältnisses und damit auch zu einem vorzeitigen Abbruch von Eingliederungsmaßnahmen führen könnten.

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