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4.4.4 Münster

1. Name/Bezeichnung des Modells

Kindertagespflege Münster

2. Ort/Bundesland

Münster/Nordrhein-Westfalen

3. Träger

Stadt Münster, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Beratungsstelle für Kindertagespflege

4. Kurzbeschreibung

Die Betreuung von Kindern in Familien hat sich in Münster seit mehr als 20 Jahren als Alternative und Ergänzung zu Kindertageseinrichtung oder Schule für Kinder von 0-14 Jahren bewährt. Das Angebot umfasst die Betreuung in der Wohnung der Tagesmutter oder manchmal auch in den eigenen vier Wänden der Eltern (Kinderbetreuerin/ früher Kinderfrau genannt). Mit der städtischen Beratungsstelle für Kindertagespflege und dem Verein Münsteraner Tageseltern e. V. stehen Eltern und Tagesmüttern zwei praxiserfahrene Partner zur Seite. Beide Institutionen steuern und vermitteln Tagespflegeangebote, sind aber für unterschiedliche Stadtteile zuständig. In beiden Beratungsstellen werden Eltern zu finanziellen, rechtlichen und pädagogischen Fragen (Erstberatung) informiert und beraten, für die Kinder stehen umfangreiche Spielmöglichkeiten während der Beratung zur Verfügung. Die Erstberatung hat einen hohen Stellenwert und wird entsprechend zeitintensiv (eine Stunde) betrieben. Aus Sicht der Beraterinnen hat es sich hierbei bewährt, dass die zu betreuenden Kinder beim Gespräch einbezogen sind. Im nächsten Schritt vermitteln die Beratungsstellen den Familien eine geeignete Tagesmutter und stellen eine dauerhafte Betreuung bei konkreten Fragen und Schwierigkeiten sicher.

Die Betreuungspersonen werden in einem Vorbereitungskurs zu allen rechtlichen, pädagogischen und finanziellen Aspekten der Kindertagesbetreuung informiert. Die persönliche Eignung und die Räumlichkeiten werden bei einem Hausbesuch überprüft. In der städtischen Beratungsstelle werden sie anschließend in den Tagesmütterpool aufgenommen, der für alle Fachberaterinnen mittels Computerprogramm zur Kindertagespflege einsehbar ist. Hier werden auch die weiteren Qualifizierungen (Grundkurs und Erste-Hilfe-Kurs in den Familienbildungsstätten, weiterführender Kurs der Volkshochschule) erfasst. Derzeit arbeiten ca. 350 Tagesmütter in Münster.

Die Bedarfsdeckung an Kindertagespflege ist in den einzelnen Stadtteilen unterschiedlich. In den ländlicheren Vororten gibt es in der Regel ein Überhang an freien Tagesbetreuungsplätzen in Familien, in der Innenstadt herrscht eher Mangel. Hier wird versucht, mit gezielten Maßnahmen (z. B. der Werbung von neuen Tagesmüttern) gegenzusteuern, da es für die Eltern oftmals nicht zuzumuten oder verkehrstechnisch schlicht nicht möglich ist, weiter entfernt liegende Angebote wahrzunehmen.

Der Grundstein für das Tagespflegeangebot in Münster wurde mit einem Stadtratsbeschluss im Jahre 1986 gelegt, der den Ausbau und die Neugestaltung der Kindertagespflege zur kommunalen Aufgabe machte. In der Folge des Ratsbeschlusses wurden u. a. ein eigenständiges Sachgebiet Kindertagespflege eingerichtet, die Mitarbeiterzahl in dem Sachgebiet kontinuierlich ausgebaut, später in das Aufgabengebiet der Kindertageseinrichtungen integriert und Schritt für Schritt unterschiedliche Qualifizierungen für Betreuungspersonen entwickelt.

Heute sind insgesamt sieben Personen auf fünf Teilzeitstellen in der Stadtverwaltung sowie zwei Teilzeitstellen beim Verein Münsteraner Tageseltern für die Kindertagespflege zuständig. Zwei Mitarbeiterinnen wurden im Qualitätsmanagement ausgebildet (Tagespflegeskala nach Tietze et al.).

Die Stadt unterstützt die Tagesmütter - neben der Beratung, Qualifizierung und Vermittlung - mit einer Haftpflichtversicherung, und stellt notwendige Ausstattung (Geschwisterwagen, Hochstuhl und Reisebett) bereit. Darüber hinaus werden eine Muster-Betreuungsvereinbarung und weitere Arbeitsmaterialien in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt. Erst nach Abschluss des Vorbereitungskurses sowie des Hausbesuches wird die Tagespflegeperson in die Vermittlung aufgenommen. Mit jedem weiteren Qualifizierungsbaustein wird die zugesicherte Vergütung von anfangs 2 Euro pro Stunde auf 3 Euro (nach Grundkurs und Erste-Hilfe-Kurs) bzw. auf 4 Euro pro Stunde (nach VHS-Qualifizierung) angehoben. Die 160-Stunden-Qualifizierung durch die VHS haben im Jahr 2005 zwölf Frauen absolviert.

Betreuungspersonen werden auf ihre Tätigkeit als Tagesmutter oder Kinderbetreuerin durch folgende Qualifizierungen vorbereitet:

  • Vorbereitungskurs (12 Stunden)
  • Grundkurs (18 Stunden)
  • Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder (12 Stunden)
  • Begleitkurs (1-mal monatlich 3 Unterrichtsstunden)
  • Jährliche Fachtagung zu einem Schwerpunktthema (1 Tag) für alle Tagesmütter
  • Qualifizierung mit Kindern im Tagesmüttertreffen (4x3 Unterrichtsstunden)
  • weiterführender Kurs VHS-Curriculum (160 Stunden)

Für Tagesmütter und Tagespflegekinder werden in den Stadtbezirken einmal im Monat Treffen zum Spiel und Austausch angeboten (Tagesmüttertreffen). Hieran nehmen die für den Stadtteil zuständigen Fachberaterinnen aus dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt bzw. aus dem Tagesmütterverein teil. Die Treffen werden dazu genutzt, die Tagesmütter über aktuelle Entwicklungen zu informieren, einen regelmäßigen Kontakt sicherzustellen sowie den Umgang mit den Tagespflegekindern "live" zu erleben. Wichtig für die Tagesmütter und Kinderbetreuerinnen ist hierbei vor allem die Vernetzung untereinander. Bei Interesse an speziellen Themen wie z. B. Spielpädagogik werden im Tagesmüttertreffen Fortbildungen angeboten.

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