Sie befinden sich in diesem Bereich der Seite:

Startseite - 4. Tipps und Handreichungen für Kommunen - 4.4 Beispiele guter Praxis - 4.4.2 Jena

4.4.2 Jena

1. Name/Bezeichnung des Modells

Kindertagespflege und Familienservice, Kooperation von Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen

2. Ort/Bundesland

Jena/Thüringen

3. Träger/Kooperationspartner

  • Stadt Jena, Jugendamt, Abteilung Kindertagesstätten (Kindertagespflege)
  • Zentrum für Familien und Alleinerziehende e. V. (Familienservice für flexible Kinderbetreuung)

4. Kurzbeschreibung/Besonderheit und Beispielhaftigkeit des Modells

In der Stadt Jena hat die Förderung von Kindern in Kindertagespflege sozialpolitisch einen hohen Stellenwert. Ein bedarfsgerechtes Angebot besteht für jedes Kind, dessen Eltern berufstätig sind, studieren oder sich in Ausbildung befinden. Derzeit sind durchschnittlich 45 vom Jugendamt geprüfte und qualifizierte Tagespflegepersonen in Jena als Selbstständige aktiv. Um das Angebot auch qualitativ weiter zu entwickeln, werden regelmäßig entsprechende finanzielle Mittel in den städtischen Haushalt eingestellt. Somit ist es möglich, die Ausstattung der Kindertagespflegestellen mit Sachmitteln und Spiel-und Beschäftigungsmaterial zu unterstützen, sowie Fortbildungsangebote zu unterbreiten um die individuelle Fortbildung von Tagespflegepersonen finanziell zu unterstützen.

Der Familienservice des Zentrums für Familie und Alleinerziehende e. V. ergänzt das Angebot der Stadt um weitere flexible Betreuungsbestandteile und arbeitet einzelfallbezogen mit dem Jugendamt zusammen. So existiert ein Minikindergarten, der Plätze bereithält und bei Engpässen in Einrichtungen oder bei Ausfall der Tagesmutter genutzt werden kann. Darüber hinaus gibt es Kinderbetreuer/innen, so genannte "Kinderfrauen", die stundenweise zur Verfügung stehen und die Randzeiten der städtischen Angebote abdecken. Die Leistungen des Familienservice in Jena richten sich vorwiegend an Familien, die keinen Rechtsanspruch auf Betreuung im oben genannten Sinne oder sehr spezielle Betreuungswünsche haben.

Alle Kindertagespflegepersonen verfügen über eine pädagogische Fachschul- oder Fachhochschulausbildung, und / oder über das vom Bundesverband für Kindertagespflege e.V. verliehene Zertifikat "Qualifizierte Kindertagespflegeperson" oder verfügen auf Grund Ihrer nachgewiesenen Qualifikationen über eine Anerkennung im Einzelfall. Voraussetzungen für die Tätigkeit als Tagesmutter /-vater sind darüber hinaus alle durch das SGB VIII geforderten Prüf-und Eignungskriterien. Zwischen Jugendamt und den Kindertagespflegepersonen sowie auch unter den Tagespflegepersonen gibt es verschiedene verlässliche Kommunikationsstrukturen (regelmäßige Treffen in Groß-und Kleingruppen, Regionalgruppen, Supervisionsgruppen, thematisch angelegten Arbeitsgruppen, Fortbildungsgruppen, Hausbesuche, Beratung auf Anfrage, wie auch innerhalb der Sprechzeiten sind hierfür einige Beispiele).

Die Steuerung des Kindertagespflegeangebots liegt beim städtischen Jugendamt, und zwar in der Abteilung 'Kindertagesstätten', die die zuständige Fachstelle mit einer Diplomsozialpädagogin besetzt hat.

Zum 01.01.2008 wird die Kindertagespflege gemeinsam mit den derzeit in kommunaler Trägerschaft befindlichen 10 Kindertageseinrichtungen in einen Optimierten Regiebetrieb umstrukturiert.

Die Kindertagespflege in Jena zeichnet sich zunächst dadurch aus, dass Eltern in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder aus den Angeboten zur Förderung und Betreuung zwischen einem Platz in einer Kindertagespflegestelle oder in einer Kindertageseinrichtung aus einer breiten Trägerlandschaft wählen können. Damit ist Ihnen ein bedarfsgerechtes Angebot gem. § 24 SGB VIII im Sinne des Wunsch-und Wahlrechts gem. § 5 SGB VIII garantiert. Konkreter Handlungsbedarf entstand nicht zuletzt aufgrund der ansteigenden Geburtenrate, die mit 9,1 Geburten auf tausend Einwohner in Thüringen die höchste ist.

5. Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege

Hervorzuheben ist die Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege, sowie die gemeinsame Qualifizierung und fachliche Begleitung im Rahmen des Bundesmodellprojektes "KINDERWELTEN - Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen". Projektträger ist das Institut für den Situationsansatz in der Internationalen Akademie INA gGmbH an der freien Universität Berlin
(www.kinderwelten.net). Das Modellprojekt will die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung als Qualitätsmerkmal in Einrichtungen der Förderung von Kindern etablieren und schließt im November 2007 die Praxisphase mit einer überregionalen Präsentation in Berlin ab.

Aus Jena nehmen 14 Kindertagespflegepersonen und fünf Träger mit acht Kindertageseinrichtungen teil. Die Beteiligung der Kindertagespflege aus Jena ist bisher bundesweit einmalig. Damit erhalten die Kindertagespflegepersonen eine einschlägige und praxisrelevante Weiterqualifzierung im Bereich vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung nach neuesten pädagogischen Ansätzen. Innerhalb des Projektes kommt es zu fruchtbaren Vernetzungen sowohl untereinander als auch zwischen Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege. Darüberhinaus zeigt sich eine hohe Wertschätzung und Anerkennung durch FachkollegInnen gegenüber der Kindertagespflege, sowie ein Zuwachs an Selbstbewusstsein und ein sich entwickelndes weiterführendes Fachinteresse. Eine Weiterführung des Projektes ist in Planung.

Seite 1 von 2 |   weiter